SCHALL UND RAUCHWAREN
Eröffnung: Sa 30.9.2023 18°°
Dauer: 30.9.2023-14.12.2023
Öffnungszeiten: Mo-So 10°°-18°°
Süddeutscher Kunstverein Jesingerstr. 8 72119 Ammerbuch Reusten
Office: SDKV Am Kirchberg 14 72119 Ammerbuch Reusten

Vom Warmen & Kalten

„Schall und Rauchwaren“ ist eine kollektive Kunst(Pelz)-Aktion, um für heizungs-reduzierte Zeiten schützende Hüllen und Kälte vertreibende Objekte zu kreieren. Die erschaffenen Teile stellen für Zuhause, den Besuch kalter Theater- und Opernhäuser, frostiger Kultur-Veranstaltungen und ähnlich untertemperierter Orte wärmende Abhilfen bereit.
Mit heißen Nadeln, spitzen Federn, Pinseln und Werkzeugen entstanden 2022 / 23 extravagante und künstlerisch originelle Einzelstücke, die eine Bedingung immer erfüllten: Es war Webpelz dabei.
In evolutionsgeschichtlicher Vorzeit teilten sich die organischen Entwicklungsstränge auch nach Maßgabe der präferierten Energiezufuhr. Während poikilotherme Spezies erst in Bewegung kommen, wenn sie lange genug in der Sonne gelegen haben, ist es beim homoiothermen Menschen umgekehrt. Langes Sonnenbaden ermattet bekanntlich ungemein. Für beide ist eine bedarfsangepasste Wärmezufuhr somit der Schlüssel zum Wohlbefinden.
Zwar können wir durch interne chemische Energieumwandlung unsere Körpertemperatur stabil halten, aber diese Antriebsart stößt an Grenzen, die wir uns evolutionär ebenfalls eingehandelt haben. Bis auf wenige Stellen von Natur aus gering bis gar nicht behaart, ist die menschliche Gattung heute für das Leben innerhalb eines recht schmalen Temperatur-„Fensters“ optimiert. Oberhalb 30 °C wird’s für die Europäer meist schon unangenehm, unterhalb 20 °C unbekleidet aber auch. Für solche Fälle fehlt uns ein Fell, das thermisch moderiert, wenn sich in dessen Haaren eine unbewegte, isolierende Luftschicht bildet.
Schon der fröstelnde Urmensch wusste sich und seine Sippe zu motivieren und lockte mit der Aussicht auf das Fell des Bären bevor selbiger erlegt worden war. Das hat vermutlich nicht immer geklappt. Der tierschützende Jetztmensch kann einfach zum gewebten Kunstpelz greifen. Weil diese haarigen Textilien über die wärmende Qualität hinaus, auch eine schmückende und somit kommunikative besitzen, sind sie ein besonders geeignetes Material für künstlerische Interpretationen und Positionen rund um die brandaktuellen Themen Hitze, Kälte, Kühlen und Heizen.

D.S, J.E.,W.L

Vorwort:

Gruppenübung in Reusten

Sie kennen den Louvre in Paris? Dort fing es an mit den öffentlichen Gruppenausstellungen.
Sie kennen die Biennale in Venedig oder die Documenta in Kassel? Dort wurde diese Art von Präsentation aufgegriffen und weitergeführt.
Was liegt also näher, als dass sich auch der Süddeutsche Kunstverein in Reusten nach längerer Abstinenz mit diesem Format zurückmeldet. Initiiert und angetrieben wurde das Unterfangen durch Jörg Esefeld, Architekt, Stadtplaner und Verleger; Werner Lorke, Physiker, Künstler, Designer, Kurator und Professor sowie mir, Daniel Schürer, Leiter verschiedener künstlerischer Einrichtungen.
Gerne gebe ich an dieser Stelle zu, dass ich mich seit jeher schwertue, innerhalb einer Ausstellung verschiedene Künstler zu präsentieren. Eine Aversion, die allerdings dem Respekt gegenüber den einzelnen Künstlern und nicht einem Prinzip geschuldet ist. Gruppenausstellungen haben ihren Wert, umso mehr, da die Umstände wieder gemeinschaftliche Übung verlangen.
Auf uns allein gestellt, sind wir im Alltag häufig genug. Wohingegen das Miteinander, ob als Gegenüberstellung künstlerischer Positionen oder als lustvolle Erfahrung der Besucher beim gemeinschaftlichen Mäandern durch fremde Phantasien, geübt werden darf und muss; auch, damit wir uns in unseren eigenen Blasen nicht allmählich zu Tode langweilen.
Lassen Sie uns also wieder unsere Gedanken und Worte mischen, lassen Sie uns wieder aneinander sprechen und reiben. Lassen Sie dabei geistige, metaphorische und faktische Wärme entstehen, so wie die Exponate in dieser Gruppenausstellung.